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Geschichte der Gartenzwerge
Die Geburtsstunde der Zwerge schlug in den viktorianischen Gartenanlagen aristokratischer Kreise, doch dann sind sie Stufe um Stufe auf der sozialen Leiter abgestiegen und landeten zuletzt in den gepflegten, aber unbeachteten Vorstadtgärten der Opfer des englischen Klassensystems. Wer Gartenzwerge besitzt, liebt sie innig. Manchen gelten sie als Verkörperung der Harmonie mit der Natur, anderen als Glücksbringer, als Ersatz für Kinder oder Haustiere, und sie stehen im Mittelpunkt liebenswürdigen Humors. Verächtern dagegen erscheinen sie als abstoßender Auswuchs des schlechten Geschmacks, bestenfalls als sentimentaler Kitsch. Ob geliebt oder verachtet, Gartenzwerge und das Erbe des uralten menschlichen Bedürfnisses, die Welt mit Geistern zu bevölkern, deren Gegenwart manche in Bäumen und Büschen, Höhlen und Gewässern spüren. Solche Geister gelten als Auslöser rätselhafter Ereignisse und unerklärlicher Geräusche, wie etwa das Echo in Höhlen und Bergen, sie sind schuld, wenn Tiere grundlos in Panik geraten oder Dinge verschwinden und genauso plötzlich wieder auftauchen. Alten Geschichten zufolge stehlen sie menschliche Säuglinge und lassen stattdessen einen Wechselbalg in der Wiege zurück, wie der Kuckuck, der sein Ei in fremde Nester legt. Die Zwergenwesen haben menschliche Gestalt, sind aber winzig klein und verfügen über magische Kräfte. Manche leben in der Nähe der Menschen, im Haus oder irgendwo auf dem Hof, andere wieder in Feldern, Wäldern, Bergen oder tiefen Höhlen. Meist sind sie den Menschen wohlgesonnen, doch einige sind bösartig und gefährlich, wieder andere sind weder gut noch böse, jedoch unheimlich und unberechenbar – man sollte Zwerge also niemals beleidigen. Sie sind nicht die pausbäckigen, niedlich geflügelten Engelchen barocker Fantasie, sondern erdverbundene Wesen. Über den Ursprung der Zwerge gibt es viele Theorien. Die umstrittenste ist, dass eine kleinwüchsige Pygmäenrasse in Urzeiten versklavt und zur Arbeit in irgendwelchen Bergwerken gezwungen worden sei. Überzeugender ist die von dem schottischen Volkskundler David Mac Ritchie Ende des letzten Jahrhunderts vorgetragene These, es handele sich um Erinnerungen an eine dunkle Vorzeit, als größer gewachsene Steinzeitmenschen eine kleinere, dunkelhäutigere Spezies bekämpft und in unwirtliche Randgebiete abgedrängt hätten. Greifbarer sind zwergenhafte Götter und übernatürliche Wesen in der überlieferten Mythologie. Altägyptische Texte erwähnen Zwergengötter, denen der Volksglaube hilfreiche und schützende Eigenschaften nachsagte. Ein sehr beliebter Schutzgott war auch Bes, ein rundbäuchiger, krummbeiniger Zwerg mit fratzenhaftem Gesicht, wildem Bart oder Löwenmähne. Als frivole Gestalt wurde Bes oft mit herausgestreckter Zunge abgebildet, was als ein Mittel zur Abwehr des Bösen galt. Besonders beliebt war Bes als Zier von Bettpfosten und Kopfstützen. Die Griechen verehrten einen Gott namens Hephaistos, den die Römer später Vulcanus nannten. Als Schmied der Götter verbrachte dieser hinkende, hässliche, von Feuer und Ruß geschwärzte Sohn des Zeus und der Hera viel Zeit in seiner unterirdischen Werkstatt, aus der die Funken sprühten. Wie er sind auch die Zwerge der europäischen Folklore begabte Schmiede. Einer anderen Theorie zufolge geht diese gedankliche Verbindung zwischen Zwergen und Schmiedekunst jedoch auf andere mythische Wesen zurück, die Daktylen nämlich. Daktylos ist das griechische Wort für Finger, und die Finger- oder Däumlinge waren kunstfertige Zwerge, die im kretischen Idagebirge als Erste Eisen gewannen und schmiedeten. Ob man sie jedoch ihrer Geschicklichkeit oder ihrer Größe wegen „Finger“ nannte, ist unklar. Zwerge werden in der Volksmythologie mit Höhlen und unterirdischen Gängen verknüpft und ihre roten Zipfelmützen ähneln der phrygischen Mütze des Mithras: eine weiche, kegelförmige Kopfbedeckung mit nach vorn gelegter stumpfer Spitze. Bei den Römern war diese Mütze als pilleus libertatis das Zeichen freigelassener Sklaven. In Erinnerung daran wählten die Jakobiner während der Französischen Revolution diese rote Mütze, die „Bonnet rouge“ genannte Jakobinermütze, als ihr Symbol der Freiheit. In der Tat formidable Ursprünge für derart bescheidene Kreaturen wie die Gartenzwerge. Der bescheidene Gartenzwerg stammt also aus einem uralten Geschlecht. Die kleinen, rot bemützten Kerlchen, die ihren Schubkarren drücken oder mit der Angelrute am Gartenteich sitzen, sind Abkömmlinge der Zwerge der alten nordischen Mythologie. Sie sind Angehörige des „kleinen Volkes“, an dessen Existenz man praktisch überall in der Welt fest glaubte, wie ihre vielen Namen belegen: Zwerg, Kobold, Elf, Nisse, Imp, Goblin, Troll, Gnom, Tonttu, Domovoi Djèduschka, Skritek, Manó und so weiter. Trotz aller Spekulationen und Ungewissheiten ist klar, dass unsere Gartenzwerge in direkter Verbindung zu den mündlichen Überlieferungen der heidnischen Völker Nordeuropas, den Skandinaviern, Germanen und Angelsachen stehen. Einige dieser Überlieferungen hielt der Isländer Snorri Sturluson im 13. Jahrhundert schriftlich fest. Der 1179 auf Island geborene Geschichtsschreiber und Politiker Snorri Sturluson war vor allem auch ein berühmter Skalde, ein Dichter. Eines seiner Werke ist die Snorra Edda, auch Prosa-Edda genannt, eine Art Kompendium der heidnischen Mythologie. In diesem Werk berichtet Snorri über die Alfar, die Elfen, die in zwei Klassen geteilt sind: in die Schwarzelfen und die Weiß- oder Lichtelfen. Die Lichtelfen wohnen im Reich des Sonnengottes Freir, in Ljosalfaheim. Zusammen mit Muspelheim und Asgard bildet Ljosalfaheim die aus drei Bereichen bestehende oberirdische Welt. Die schwarzen Elfen leben in einem der drei Bereiche der Unterwelt, in Svartalfaheim, und sind den Zwergen gleichzusetzen, zumindest nach Snorris Version der Weltschöpfung. Einst nämlich war der nordischen Mythologie zufolge die Erde der Körper des Urriesen Ymir, der von den Götterbrüdern Odin, Vili und Ve erschlagen wurde. Aus Ymirs Knochen entstanden die Berge, aus seinem Blut die Meere, aus seinem Schädel der Himmel, aus seinem Fleisch aber die Zwerge. Wie Maden ernährten und vermehrten sie sich in den Eingeweiden und die Götter gaben ihnen menschliche Gestalt und Intelligenz, obgleich sie verurteilt waren, unter der Erde in Felsenhöhlen zu leben. Snorris Unterscheidung zwischen Schwarz- und Weißelfen mag ein wenig schlicht wirken, doch scheint sich darin der doppelte Aspekt dieser Wesen zu spiegeln, denn sie galten einerseits als gut, schön, die Fruchtbarkeit fördernd, auf der anderen Seite aber als böse, düster, mit Verderben, Tod und Grab verknüpft. Bis in die Neuzeit hinein hielten sich in Europa mit Zwergen verknüpfte abergläubische Vorstellungen. In Norwegen, wo man die Wichte Tomte oder Nisse nennt, galten sie als hilfreiche, aber auch als anspruchsvolle Geister. Die etwa kindgroßen Wesen kleideten sich in graue oder braune Wämser und trugen spitze oder mit Quasten besetzte rote oder graue Mützen und schwere Holzschuhe (Clogs). Sie waren außerordentlich stark, liebten Pferde und Vieh, das sie zu hüten halfen. Aber sie waren auch kleine, immer zu Streichen aufgelegte Racker, die die Kühe losmachten, das Heu herumwarfen oder die Milchmagd neckten. Um die Wichte bei Laune zu halten, stellte man ihnen donnerstags und am Weihnachtabend süßen Haferbrei, Kekse und Bier hin. Das Familienglück lag in den Händen der Nissen und wenn sie aus irgendeinem Grund verschwanden, konnten sie das Glück mitnehmen. Wollte man die kleinen Kerle allerdings loswerden, ging dies nicht so leicht. Eine dänische Geschichte handelt von einem Mann, der den Schabernack seines Nissen so leid war, dass er umziehen wollte. Als er all seine Sachen auf einen Karren gepackt hatte, da sah er den Nissen hoch oben fröhlich rufen:“Heia, heute ziehen wir um!“ Dieselbe Geschichte erzählt man auch in anderen Teilen Europas. In Mittel- und Nordengland sowie in Schottland nennt man die Wichte Brownies. Man beschrieb sie als 90 cm große Männchen, die braune, zerlumpte Kleider trugen – daher der Name. Bei Nacht kamen sie aus ihren Verstecken und vollendeten jede unerledigte Arbeit im Haus oder Stall. Allerdings konnten sie Faulheit oder Unordnung nicht ausstehen: faule Menschen wurden durch ordentliches Zwicken bestraft. Die besonnene Hausfrau stellte den Brownies Honigkuchen und eine Schale mit Sahne hin – heimlich, denn man durfte die kleinen Helfer weder beobachten noch ihnen offen seinen Dank zeigen; das empfanden sie als Beleidigung. Brownies halfen den Menschen aber nicht nur, oft waren sie kleine Schlingel, die es liebten, Hausschlüssel irgendwo zu verstecken. Besonders gern saßen Brownies aus Herfordshire über dem offenen Kaminfeuer. In einem Gasthaus in den Blackdown Hills in Somerset, dem Holman Clavel Inn, pflegte ein Brownie namens Charlie gemütlich auf dem Balken über der Feuerstelle zu hocken. Noch bis in die 60er Jahre hinein erinnerten die Leute sich seiner mit Zuneigung. Das Wort Zwerg ist ein gemeingermanisches Wort, das in ähnlichen Lautungen in verschiedenen Sprachen vorkommt. Althochdeutsch hieß es Twerc, englisch dwarf, schwedisch dvarg, dänisch dverg. Die genaue Herkunft und ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist allerdings unbestimmt. Wie in anderen Ländern, so hatte man auch in England je nach Region für die kleinen Helfer verschiedene Namen. In Lancashire beispielsweise hießen sie Boggarts und man dachte sie sich als 50 cm große Wesen mit runzligen Gesichtern, dünnem Hals, unverschämtem Grinsen, dickem Bauch und spindeldürren Armen und Beinen. In Wales nannte man ganz ähnliche Wesen Bwca. Ein in Monmouthshire beheimateter Bwca pflegte dort einer Magd zur Hand zu gehen und sie stellte ihm dafür regelmäßig zur Nacht Brot und Sahne hin. Auf der Isle of Man dacht man sich die Wichte, die Fenodoree hießen, als relativ groß, hässlich, behaart, dumm und enorm stark. Das in Skandinavien gebräuchliche Wort Nisse für Zwerg hängt mit dem Namen Niels zusammen, der seinerseits wieder mit Nikolaus und den davon abgeleiteten Kurzformen Claus und Claas verwandt ist. In Dänemark dekoriert man zur Weihnachtszeit die Häuser mit Figuren von Nissen, die rote Mützen und Westen tragen, blaue oder graue Hosen und Holzschuhe. Sie sollen eine glückliche Weihnachtszeit bringen. Eine diesem Nissen ähnliche Figur ist der Jorvik Viking, der in York, in England, als Geschenkebringer die Rolle des Weihnachtsmanns übernimmt. Auch im deutschsprachigen Raum haben Zwerge viele Namen, hier eine Auswahl: Aunken, Bergmandel, Butzemännie, Dengelmännie, Erdmännie, Fegemännlein, Gnom, Graumännchen, Grünkäppel, Heiling, Heinzelmännchen, Kasermandel, Klabauter, Kobold, Luthken, Mopperle, Nachtok, Ofenmännlein, Pieperling, Schrat, Wichtel, Zwargel. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Gnome und die anderen Elementargeister aus dem realen Weltbild der gebildeten Stadtmenschen verschwunden. Nur im mündlich tradierten Volksglauben und in der gehobenen Literatur überlebten sie. Die langsam sich entwickelnden Naturwissenschaften verdrängten den Glauben an das kleine Volk. In der Geisteswissenschaft hingegen erwachte Interesse für die alten Überlieferungen, die nun mit viel Geduld und Fleiß gesammelt wurden. Die Brüder Grimm gaben 1812 ihre Kinder- und Hausmärchen heraus, die als Grimms Märchen, in mehr als 70 Sprachen übersetzt, weltberühmt werden sollten. Die Märchensammlung umfasste deutsche Versionen von so beliebten Geschichten wie Aschenputtel, Rotkäppen, Hänsel und Gretel und Rumpelstilzchen, die auch in anderen Ländern bekannt waren. Und natürlich fand sich auch das Märchen von Schneewittchen in der Sammlung, denn Schönheit die böse Königin so neidisch macht, dass sie einen Jäger schickt, das unschuldige Mädchen zu töten – der aber lässt es im Wald laufen. Schneewittchen kommt zu einem kleinen Haus, wo sie sieben Bettchen vorfindet und einen für Sieben gedeckten Tisch. Das Haus gehört den Zwergen, die tagsüber in ihrem Bergwerk arbeiten. Sie lassen Schneewittchen bei sich wohnen: dafür erledigt sie den Haushalt. Seit Veröffentlichung diese Buches und speziell seit Disneys Trickfilmversion, wird den Zwergen große Aufmerksamkeit geschenkt. Erst nachdem die Brüder Grimm ein neues Interesse für die Zwerge und Kobolde der germanischen Mythen geweckt hatten, wurden in Deutschland Zwergenfiguren folkloristischen Typs hergestellt – nicht für Gärten, sondern als Zimmerschmuck. Sie fungierten auch als Fußstützen oder bedienten kleine Kanonen, die als Zigarrenanzünder dienten. Solche Zwerge stachen während eines Besuches in Nürnberg dem englischen Landedelmann Sir Charles Isham aus Lamport Hall in Northamptonshire ins Auge. Als leidenschaftlicher Gärtner legte er sogleich einen ansehnlichen Steingarten an, der ein Areal von 27 auf 14 Meter umfasste und bis zu 7 m hoch aufragte; die sanft abfallenden Hänge bepflanzte Sir Charles mit Zwergkiefern und anderen Miniaturpflanzen des Alpenraums. Die dunklen Felsschluchten und mit Quarzen ausgelegten Grotten schienen ihm hingegen der ideale Standort für die Zwergenpopulation, die er in Deutschland geordert hatte: Er stellte die als Innendekoration gedachten deutschen Zwerge im Freien auf und wurde so um 1860 in gewisser Weise der Vater der modernen Gartenzwerge. Leider hat nur einer aus dieser ursprünglichen Zwergengeneration die Zeiten überdauert. Er steht heute unter einer Glasglocke im Inneren des Hauses. Man sagt, er sei mit einer Million Pfund versichert. Ein Garten ist ein Stück „Gezähmte“ Natur. Abgetrennt von der Außenwelt als ein Hort der Schönheit, des Friedens und der Harmonie, gibt sich der Gärtner hier der Illusion hin, alles unter Kontrolle zu haben. Kleine Standbilder von Göttern und anderen mythischen Wesen, von Tieren und Gebäuden stellt der Gärtner nicht nur als Anziehungspunkt für die Augen auf. Er möchte die Figuren selbst und das, was sie repräsentieren, seiner Macht unterwerfen und so zu einem Teil der Harmonie machen, die er zu schaffen wünscht. Ein Name der ersten Stunde war die Manufaktur Heissner, die seit 1871 große Mengen von Zwergen herstellte, die aber eigentlich als Innendekoration gedacht waren. Sie hielten Gabeln, Spaten oder Pfeifen in der Hand. Ab der Jahrhundertwende wurden bei Heissner auch Gartenzwerge hergestellt; ein Werbeplakat der Firma Ludwig Möller in Erfurt bot Zwergenfiguren für den Garten an, darunter bäuerlich gekleidete Kerlchen mit Schürzen sowie roten oder braunen Zipfelmützen. Über langen weißen Bärten schauten rosige Bäckchen hervor. In keinem Fall glichen sie den grotesken Karikaturen des 18. Jahrhunderts. Von Anfang an hatten die Deutschen bei der Herstellung von Gartenzwergen eine Vormachtstellung inne. Seit dem zweiten Weltkrieg blühte vor allem in Ostdeutschland die Zwergenindustrie, die allerdings hauptsächlich für den Export produzierte. Noch Mitte der 90er Jahre schätzte man den deutschen Export von Gartenfiguren auf eine runde Million. Als 1994 eine heimlich eingeschleuste Truppe von 300 polnischen Gartenzwergen die deutsche Grenze bei Frankfurt an der Oder unbemerkt überschreiten wollte, und von Zollbeamten geschnappt wurde, brach ein kleiner Zwergenkrieg aus. Deutsche Gartenzwerg-Hersteller protestierten gegen diese Invasion, denn sie sahen ihren heimischen Absatzmarkt von den billigen polnischen Plastikzwergen bedroht, von denen viele obendrein den deutschen Vorbildern zum Verwechseln ähnlich sahen. Im April 1997 konnte man gar in den Zeitungen lesen, es sei von Zollbeamten eine Ladung mit 11 000 Gartenzwergen aufgegriffen worden, als diese unter Umgehung der Zollgebühren illegal über Belgien hatten eingeführt werden sollen. Einst Erzeugnisse echter Handwerkskunst, kommen viele Zwerge heute aus der maschinellen Massenproduktion. Während manche nur den guten alten Keramikzwerg, wie er bereits vor 120 Jahren hergestellt wurde, zum Zierrat des eigenen Gartens oder der Wohnung für wert befinden, sind andere mit ihren Plastikzwergen rundum glücklich. Nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte die Invasion der PVC hergestellten Plastikzwerge. Der Herstellungsvorgang entspricht in etwa dem der Keramikzwerge. Die Plastikmasse wird in ein Metallmodel gepresst, aus der der fertige hohle Zwerg mit einem Haken an einem Loch im Boden herausgezerrt wird. Ist die Figur vollständig abgekühlt, wird sie mit Spritzfarben koloriert. Die Vorteile der Plastikzwerge sind ihr geringes Gewicht und ihre Bruchsicherheit, weshalb sie leicht transportiert und exportiert werden können. Das Loch im Boden der Figur kommt nun gelegen, denn so kann man sie auf einem Stock in den Garten setzen. Der Zwerg fällt dann bei Wind nicht so leicht um; zusätzlich kann man die Figur für mehr Stabilität auch mit Sand oder Kies füllen. Der Kauf eines Gartenzwergs ist oft ein spontaner Entschluss. Man sieht einen Zwerg in einem Gartencenter oder einem Laden, mag ihn auf Anhieb und nimmt ihn mit nach Hause. Die meisten Zwerge lassen sich relativ leicht transportieren und sind erschwinglich. Das Gärtnern ist nicht nur in Deutschland ein beliebter Zeitvertreib. Die Briten sollen pro Jahr 80 Millionen Pfund in Gärten und Gartenzier stecken, wobei Zwergenfiguren einen großen Anteil haben. Das mag daran liegen, dass sie einem Garten quasi auf Anhieb und ohne viel Mühe eine gewisse Atmosphäre verleihen. Der Gärtner kann seinem Garten einen typischen, unverwechselbaren Stempel aufprägen. Damit erklärt sich vielleicht auch die Beliebtheit der Gartenzwerge und anderer Gartenzier in den 20er und 30er Jahren, als außerhalb der großen Städte erste Vorstadtsiedlungen entstanden und zahlreiche Familien dort kleine Gärtchen erwarben. In Deutschland hatte sich der Wunsch nach Natur bereits im letzten Jahrhundert entwickelt und überall vor den Städten gab es regelrechte Gartenkolonien, deren Parzellen in Verballhornung des Namens des Initiators dieser Bewegung, des Arztes Daniel Gottfried Moritz Schreber (1808-1861), später oft „Strebergarten“ genannt wurden. Zwerge gibt es in verschiedensten Größen und in einer Vielzahl von Formen. Die meisten sind 10-45 cm groß, aber es gibt auch größere, ja regelrechte Riesenzwerge von einem Meter. Die meisten haben einen lockigen, weißen Kinn- und Backenbart unter den leuchtend roten Zipfelmützen. Sie tragen rote, blaue, grüne oder gelbe Hemden und jeweils komplementär passende Hosen, die von einem Ledergürtel gehalten werden. An den Füßen haben sie schwere Stiefel – aus denen manchmal ein Zeh hervorlugt. Schubkarren sind ein häufiges Accessoire, andere halten Laternen, einen Rechen oder Spaten. Sie haben blaue oder braune Augen, mit denen sie treu zu ihrem Besitzer aufschauen, knollige Stupsnasen, gesunde Pausbäckchen und selten fehlt ihren munteren Gesichtern das freundliche Lächeln. Der Gesichtsausdruck der Zwerge sind ein Studium wert. Viele lächeln vergnügt und die meisten sehen fröhlich aus. Es sind diese vertrauensvollen, immer fröhlichen Gesichter, die den meisten Menschen so gut gefallen – viele verbreiten Zufriedenheit um sich. Manche Zwerge sehen allerdings nachdenklich aus, ja, gelegentlich gibt es welche, die haben wohl einen Mordszorn, wieder andere scheinen ganz erschrocken und mitunter ist einer auch bierselig weggetreten oder nicht ganz richtig im Kopf. Die geistige Gesundheit des einen oder anderen Wüstlings unter den Gartenzwergen muss bezweifelt werden. Fast alle Gartenzwerge sind Erwachsene männlichen Geschlechts; Zwergfamilien sieht man sehr selten und wenn sie denn auftauchen, dann eher als Touristenattraktion in Vergnügungsparks denn in normalen Bürgergärten. In den alten nordischen Mythen waren die Zwerge eine reine Männerrasse. Da sie als unsterblich galten, brauchten sie sich nicht fortzupflanzen, hatten also keinen Bedarf an Frauen. Die männlichen Zwerge sind selten jung; sie sind immer von robuster Gesundheit, auch wenn ihre weißen Haare und ihr weißer Bart vermuten lassen, dass sie nicht mehr in der ersten Mannesblüte stehen. Vielleicht ist das der Grund, weshalb sie keine besseren Hälften brauchen. Möglicherweise aber halten sie ihr Weibervolk auch nur einfach gut versteckt. Jedenfalls spielen weibliche Gartenzwerge erst in jüngster Zeit eine gewisse Rolle. Noch 1962 war eine von der Bild-Zeitung initiierte Kampagne, einen allgemein akzeptierten weiblichen Gartenzwerg zu schaffen, ein absoluter Flop. Obwohl einige Zwerge nur faul herumliegen oder –stehen, sind die meisten doch in der einen oder anderen Weise tätig oder versuchen zumindest alles, um diesen Anschein zu erwecken. Obgleich die Zwerge der Mythen nach zumeist Bergleute waren, gibt es heute nur noch wenige, die an ihren Werkzeugen erkennen lassen, dass sie dieser alten Zwergentätigkeit nachgehen. Heute sind ihre Lieblingsbeschäftigungen Gärtnern und Angeln. Manche Zwerge tragen Gießkannen oder halten den Gartenschlauch und viele Menschen sind daher überzeugt, die Zwerge besäßen ein besonders ausgeprägtes Umweltbewusstsein und stünden die weltweiten Bewegung der Grünen nahe. Gelegentlich begegnet man einem Postboten unter den Zwergen, doch im Allgemeinen schlagen Versuch, Zwerge in die normale Arbeitswelt zu integrieren fehl, weil sie nicht mi der Vorstellung von einer idealen Welt übereinstimmen, in der es die langweilige Routine der Alltagsjobs nicht gibt.
31.05.2010, 12:27 von gartenadmin |
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