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Garten-Lexikon

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23.09.2010, 20:23 von familien-garten
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Der Kräutergarten

Unter dem Begriff „Kräuter“ fasste man schon früh Nutzpflanzen mit medizinischen, kulinarischen oder aromatischen Eigenschaften zusammen, die zur Steigerung des Wohlbefindens oder bei religiösen Ritualen verwendet werden. Favoriten wie Petersilie und Thymian durften in keinem echten Küchengarten fehlen und schlichte Kräuter in locker bepflanzten Beeten sind nach wie vor beliebt.

Kräuter erleben in den letzten Jahren eine Renaissance und sind aus keinem Garten mehr wegzudenken. Die Anspruchslosigkeit der meisten Pflanzen machen sie sowohl für Gartenbesitzer als auch für Stadtgärtner interessant. Mit etwas Pflege lassen sie sich auch auf geringstem Raum anbauen, wodurch sie sogar auf dem Balkon ihren Platz finden können. Die Fülle der Verwendungsmöglichkeiten findet man bei anderen Pflanzen kaum wieder. Im Gegensatz zu den meisten Zierpflanzen lassen sich Kräuter in der Küche verwenden. Sie sind zwar keine direkten Nahrungspflanzen, geben aber mit ihrem Aroma jedem Gericht den letzten Schliff. Für Köche der exklusiven Küche sind Kräuter unverzichtbar geworden. Gleichzeitig bekommt man die gesunde Wirkung dieser Pflanzen zu spüren, da die Speisen bekömmlicher werden. In Verbindung mit Gemüse und Obst sind Kräuter nicht nur sehr schmackhaft, sondern beugen auch Krankheiten vor und stärken das Immunsystem. Die heilenden Eigenschaften von Kräutern werden in einer Vielzahl von Naturheilverfahren genutzt. Angefangen von der Heilung kleinerer Beschwerden bis hin zur Unterstützung bei der Behandlung schwerer Krankheiten lassen sich die Heilpflanzen verwenden. Zwar können sie nicht immer herkömmliche Arzneimittel ersetzten, jedoch als natürliche Hausapotheke kleinere Leiden, von Erkältungen bis zur Verdauungsstörungen, lindern oder den Heilungsprozess beschleunigen. Als Ausgleich zum Alltag wirken die unterschiedlichen Düfte auf das zumeist strapazierte Nervensystem ein. Sie beleben zum einen die Psyche und zum anderen machen sie auch die Gartenarbeit zum Erlebnis. Wer anfängt, Kräuter anzubauen, wird relativ schnell in deren Bann gezogen. Kaum eine andere Pflanzengruppe hat eine solch lange Geschichte, wie die Kräuter. Durch die lange Tradition hat sich eine regelrechte Mythologie entwickelt, die einen immer größer werdenden Kreis von Freunden besitzt.

Die Anfänge der Kräuterverwendung reichen vermutlich bis in die Altsteinzeit zurück. Seit Jahrtausenden werden sie als Würz- und Heilpflanzen, aber auch für magische und religiöse Zwecke genutzt. So sind sie zugleich ein wichtiger Teil der Kulturgeschichte.

Blütenpollen, die z. B. in Grabhügeln unter Luftabschluss konserviert wurden, sowie verkohlte Samen- und Fruchtreste können viele Jahrtausende überstehen. Anhand solcher Indizien vermuten Archäologen, dass schon vor mehr als 50 000 Jahren Würz- und Heilpflanzen verwendet wurden. Wahrscheinlich entdeckten schon die urzeitlichen Jäger und Sammler, dass aromatisch duftende Pflanzen ihre Fleisch- und Wurzelvorräte nicht nur bekömmlicher, sondern oft auch länger haltbar machten. Daneben ergaben ethnologische Forschungen bei sogenannten Naturvölkern, etwa in Afrika oder am Amazonas, wertvolle Hinweise. Häufig besitzen diese ein uraltes, reiches Wissen über den Gebrauch von Kräutern, von dem bis heute Arzneiforschung und Pharmaindustrie auf der Suche nach neuen Heilpflanzen profitieren.

Die Kräuterkunde in der Antike

3000 v. Chr. wurden im Vorderen Orient, in Indien und China die ersten Gewürzkräuter angebaut und ein reger Handel betrieben. Die Babylonier verzeichneten damals schon über 1400 Kräuter in einer Arzneimittelliste. 500 bis 1000 Jahre später begründeten in Ägypten die ersten Ärzte mit dem Wissen über 900 Kräuter ihre Heilkunde. Dieses Wissen der vergangenen Kulturen machten sich Heiler im alten Griechenland zunutze und so wurde von Hippokrates (460-377 v.Chr.) eine Diagnose- und Behandlungslehre in die abendländische Medizin eingeführt, nach der die gesunde Ernährung und die Verwendung von Kräutern die Selbstheilungskräfte der Menschen anrege. Dabei beschrieb er mit seinen Schülern das damalige medizinische Gesamtwissen, indem für jedes Leiden Heilpflanzen mit der entsprechenden Anwendung empfohlen wurden.

Die handelstüchtigen Römer unternahmen in großen Flotten Reisen nach Persien und Indien, um die wertvollen Güter ins alte Rom einzuführen. Der Wert der Kräuter war so immens, dass sie zu dieser Zeit mit Gold aufgewogen wurden und man um sie unzählige Kriege führte. Den Feldzügen der Römer ist es zu verdanken, dass die Kräuterkunde nördlich der Alpen eingeführt und von unseren Vorfahren übernommen wurde.

Die Kräuter im Mittelalter

Mit der Einführung des Christentums in Mitteleuropa wurde die Heilkunde durch die Kirche behindert. Die Kräuter, insbesondere die einheimischen, verloren ihre ursprünglichen Namen und wurden ins Lateinische übersetzt. Die erste Kunde vom deutschen Gartenbau, wurde durch den Reichenauer Mönch Walahfrid Stabo in den Jahren 830 bis 840 durch das Lehrgedicht „Hortulus“ geschaffen, in dem 24 Kräuter, Küchen- und Zierpflanzen in 444 Versen beschrieben wurden. Durch die Kreuzzüge ins Morgenland gelangten immer wieder neue Kräuter nach Mitteleuropa. Aufgrund der hohen Preise war es zur damaligen Zeit jedoch nur den Wohlhabenden möglich, Kräuter zu erwerben.

Kaufleute aus ganz Europa wurden durch enorme Gewinnspannen, die teils das Hundertfache ausmachten, sehr reich. Obwohl zur damaligen Zeit Krankheiten als Gottesstrafe empfunden wurden und die Kräuterheilkunde sowie die Verwendung von Gewürz-, Heil- und Zauberkräutern verboten war, konnte sie dennoch von wenigen Kräuterweibern sowie den Gelehrten und Mönchen der Klöster fortgeführt werden.

 

 

Magische Pflanzen

In den traditionellen Kulturen sind Heiler und Schamanen die wahren Kräuterexperten. Heilsame, aromatische, teils auch berauschende Pflanzen stehen meist in Verbindung mit religiösen Ritualen und Magie, zeugen von der Macht der Götter oder Naturgeister, wehren böse Kräfte ab, schützen nicht nur vor Krankheiten, sondern auch vor Blitzschlag und anderem Unheil. Ähnliche Auffassungen finden sich auch bei den alten Germanen und Kelten und waren bei uns bis in die frühe Neuzeit verbreitet. Im Mittelalter war das Wort „Kräuter“ geradezu ein Synonym für Zaubermittel aller Art.

Solche Zusammenhänge finden heute nicht nur bei esoterisch Interessierten wieder viel Aufmerksamkeit. Da überlappt sich auch so manches mit der ganzheitlichen Naturheilkunde und Kräutertherapie.

Liebeskräuter

Kräuter genossen wohl in allen Kulturen auch ein hohes Ansehen als Hilfsmittel zur Anregung der Sexualität oder auch zur Steigerung der weiblichen Fruchtbarkeit, wie etwa Beifuß, Basilikum und Frauenmantel. Der griechischen Liebesgöttin Aphrodite waren gleich mehrere Kräuter gewidmet, darunter Majoran, Thymian und Rosmarin. Ihr Name stand dann auch Pate für die Aphrodisiaka, also für Mittel zur Steigerung der Lust, Begierde und Manneskraft. Alraune, Safrankrokus, Sauerampfer und Wein zählten zu den hoch geschätzten „Lustmitteln“ der Antike, Knoblauch war schon bei den alten Ägyptern angesagt, und später kamen z. B. Brennnessel, Löffelkraut, Muskatnuss, Arnika und Petersilie hinzu.

Apotheker und Kräuterhexen

Im 13. Jahrhundert wurden durch Friedrich II., den Hohenstaufen-Kaiser, die Medizin und die Pharmazie voneinander getrennt und eigenständigen Berufsgruppen zugeordnet. Diese Loslösung voneinander hatte zur Folge, dass sie andere Pflichten und Rechte bekamen. Apotheker bekamen pharmazeutische Anordnungen zur Arzneiherstellung, die nach den Anweisungen von Ärzten anzufertigen waren. Dieser Umstand förderte die Entwicklung der Apothekergärten, die zum Teil noch heute anzutreffen sind. Anfangs hieß die Apotheke noch Offizin. Danach wurden Pflanzen, die man als besonders wirksam einstufte, als „offizinell“ bezeichnet. Bei vielen Kräutern ist dies bis heute Bestandteil des botanischen Namens, z. B. bei der Zitronenmelisse (Melissa officinalis).

Vieles wurde aber auch wie seit alters in der freien Natur gesammelt, wobei die pflanzenkundigen „Kräuterweiblein“ den Apothekern eine wertvolle Hilfe waren. Ihr Kräuterwissen ging oft auf alte, heidnische Quellen zurück, und ihre beim einfachen Volk beliebten Heilweisen wurden besonders von manchen Kirchenvertretern nicht gern gesehen. Später gehörten dann viele dieser Frauen zu den Opfern der grausamen Hexenverfolgung, die vom 15. bis ins 18. Jahrhundert währte.

Neuzeit

Vom 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gewann der Kräuteranbau fast stetig an Bedeutung, sowohl privat, in den immer zahlreicheren Bürgergärten, als auch im professionellen Heilpflanzenanbau.

Mit dem Siegeszug synthetisch hergestellter Arzneimittel kam es dann aber gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einem gewaltigen Einbruch. Zudem hatte sich der Gebrauch von Würzkräutern in deutschen Küchen stark reduziert, wobei wahrscheinlich auch neuartige Fertigprodukte eine Rolle spielten. Geradezu zum Fels in der Brandung wurde der Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 – 1897). Er propagierte nicht nur Wasserkuren, sondern brachte auch wieder ins Bewusstsein, dass „gegen alles ein Kraut gewachsen ist“.

Dennoch wurden in den Privathaushalten die Kräuter erst etwa ab den 1960er-Jahren in größerem Maße wiederentdeckt. Das zunehmende Gesundheitsbewusstsein und die wachsende Skepsis gegen chemische „Supermittel“ und ihre Nebenwirkungen zu einer neuen Wertschätzung von Heilpflanzen und altbewährten Kräutern.

Kräuternamen

Gerade bei Kräutern können Verwechslungen mit ähnlichen, aber wirkungslosen oder sogar giftigen Pflanzen fatal sein. Über die Jahrhunderte hatten sich allerdings die unterschiedlichsten Kräuternamen angesammelt, sowohl lateinische wie deutsche, oft  ganz verschieden je nach Epoche und Region.

Damit räumte ein System für das gesamte Pflanzenreich auf, das der schwedische Naturforscher Carl von Linné (1707-1778) entwickelte und das – mit den nötigen Aktualisierungen – bis heute gültig ist.

Danach werden die Pflanzen bestimmten Familien und Gattungen zugeordnet und erhalten einen zweigliedrigen botanischen Namen. Der besteht aus dem großgeschriebenen Gattungsnamen (z.B. officinalis). Egal, ob man diese Pflanze nun als Echten, Garten- oder Gewürzsalbei kennt: Ihr wissenschaftlicher Name Salvia officinalis klärt eindeutig – und international gültig-, dass damit keine der vielen anderen Salbeiarten gemeint sein kann.

Die Entstehung von Kräutergärten

Die Anlage spezieller Gärten zum Anbau und zur Präsentation von Kräutern hat eine lange Geschichte. Die dekorative Gestaltung der Kräutergärten hat eine sehr viel längere Tradition als etwa die Gestaltung von Gemüsegärten. Schon in frühgeschichtlicher Zeit gehörten Kräuter und Religion zusammen. Im alten Persien galt der eingefriedete Garten mit duftenden und heilenden Pflanzen als Zufluchtsort.

Heilkräuter mit starker Wirkung wurden getrennt gezogen, damit Novizen sie bei der Ernte nicht verwechselten.

Alte Kräutergärten

Die Erforschung von Pflanzen und ihrer Heilwirkung widmeten sich bald nicht nur religiöse, sondern auch wissenschaftliche Institutionen. Sie übernahmen die Form des geometrischen Kräutergartens mit abgetrennten Beeten. Die so angebauten Pflanzen ließen sich von Botanikern, Ärzten und Künstlern leichter studieren. Der erste dokumentierte „Apothekergarten“ entstand 1545 in Italien, an der Universität zu Padua; es folgte 1587 das holländische Leyden. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts waren Apothekergärten in ganz Europa verbreitet. Forscher und Pflanzensammler  führten neue Arten ein, und die Sammlungen der Gärten wurden zunehmend um Pflanzen aus fremden Kulturkreisen ergänzt. Auch Siedler sorgten für die Verbreitung von Pflanzen und Gartentraditionen: Der erste Botanische Garten Nordamerikas entstand 1728 bei Philadelphia. Auch in Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika sind Kräutergärten im traditionellen europäischen Stil erhalten.

Kräuter in Privatgärten

In Bauerngärten wurden Kräuter wie eh und je zwischen Zierpflanzen gezogen, obwohl ihrer dekorativen als auch ihrer kulinarischen und medizinischen Eigenschaften wegen. Die formalen, wohlgeordneten Kräutergärten der botanischen Gärten aber sprachen den Snobismus reicher Landbesitzer an. Durch die arbeitsintensive Pflege konnte der Besitzer seinen Reichtum und gleichzeitig seinen wissenschaftlichen und ästhetischen Sinn für „Natur“ demonstrieren. Schon bald wuchsen Kräuter nicht mehr bescheiden im Küchengarten, sondern zierten, aufwendig in Beeten, Rabatten und Gefäßen präsentiert, Paläste, Schlösser und Landsitze.

Heutige Kräutergärten

Gerade die geometrischen Kräutergärten früherer Zeiten erleben heute ein Comeback – neben ihrem Nutzwert schätzt man ihre historischen Bezüge. Friedliche, von der Außenwelt abgeschirmte Bereiche mit Beeten, die durch schmale Pfade klar gegliedert wurden. Das war nicht nur dekorativ, sondern auch praktisch:

Das neuerdings wieder erwachte Interesse an Kräutergärten hat seine Wurzeln in wissenschaftlichen, repräsentativen und bäuerlichen Traditionen. Im Orient baut man Kräuter nach wie vor aus praktischen, medizinischen Gründen an. Die Chinesen und Japaner betrachten sie nicht als Zierpflanzen. Im Westen schätzt man vor allem ihren dekorativen und kulinarischen Nutzen. Kräuter sind allgegenwärtig: vom Fensterbrett bis zur Kräuterrabatte, als schlichte Zierpflanze oder im formalen, ornamentalen Beet oder, den heute sehr viel kleineren Gärten entsprechend, im Miniaturformat. In Spezialgärtnereien findet man bis zu 18 Basilikum- und 50 Lavendelsorten, und im Kielwasser dieses Booms erleben auch unbekanntere Kräuter wie Berufkraut ein Comeback.

Kräuter ziehen Nützlinge und Insekten an. Im Sommer wird der Garten von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen besucht. Neben der optischen Freude von Farben und Formen der Pflanzen, ist es überaus interessant, sich den Düften, dem Geschmack von essbaren Gewürzkräutern und dem Berühren von Blättern und Blüten zu widmen. Diese Sinnesanregungen sind mittlerweile Bestandteil vieler Heilkuren, besonders für blinde und behinderte Menschen. Man könnte den Besuch eines Kräutergartens als eine Art Aromatherapie betrachten, denn die Düfte von Blättern und Blüten sowie deren Farb- und Schattenspiel wirken vor allem bei Stress. Besonders intensiv werden die Gerüche, sobald sich Tau auf den Blättern bildet oder kurz nach Regen. Die entspannenden Wirkungen machen sich sogar einige Kindergärten, Krankenhäuser, Pflegeheime und Schulen zunutze, indem sie einen Kräutergarten an ihre Einrichtung koppeln. Besonders in der heutigen hektischen und schnelllebigen Zeit, beeinflusst durch den beruflichen Stress, findet man in Kräutergärten einen Ausgleich, kann sein mentales Befinden stärken und vom Alltag abschalten.

Die zunehmende Beliebtheit hat das Sortiment enorm vergrößert, so dass heute eine nahezu unüberschaubare Vielfalt an Aroma- und Duftpflanzen im Fachhandel vorzufinden ist, die für jeden Geschmack und Verwendung das passende Kraut beinhaltet.

30.09.2010, 16:00 von gartenadmin | 1009 Aufrufe

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